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Foto de.m.wikipedia.org

Seefahrt in die Neue Welt  - Tagebuch Hanns Hagendorf, 03. August 1530

Kaum genesen, sollte uns ein neues Ereignis in Angst und Schrecken versetzen.

Ich hatte große Zweifel, an meinem 22zigsten Geburtstag die Sonne aufgehen zu sehen. Gewaltige Wellen schlugen unentwegt über Bord, brachten uns fast in den Abgrund, in die Tiefe der See. Ich glaubte schon nicht mehr, dass das ein gutes Ende finden würde und fragte mich, warum ich mir diese Reise angetan habe? Meine innigsten Gebete wurden offenbar erhört. Und so sollte sich das Wetter innerhalb weniger Stunden zum Guten wenden.

Jetzt liegen wir in praller Sonne, ohne auch nur den geringsten Hauch von Wind, auf See und die La Santa Trinidad bewegt sich kaum von der Stelle. Somit finde ich genügend Zeit, mich diesen Notizen zu widmen, die ich in ihrer Ausführlichkeit etwas großzügiger anlege, da ich nicht weiß, welche Ungelegenheiten womöglich in den nächsten Tagen wieder auf uns zukommen. 

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Foto heraldik-wiki.de   Kaiser Karl V.

Ein Jahr zuvor erhielten die Welser, bei Zahlung von 20.000 Gulden, an Karl V., eine Lizenz zur Lieferung von, bis zu 4000 afrikanischen Sklaven, nach Südamerika.

Erst am heutigen Morgen unterhielt ich mich mit Soldaten, die bei zwei  vergangenen Sklaventransporten auf der Trinidad dabei waren. Sie berichteten von schlimmen Zuständen. Die Decks waren mit Sklaven überfüllt, die angekettet, Wind und Wetter ausgesetzt, nur wenig Speis und Trank bekamen. Überall Gestank von Fäkalien, Tote wurden einfach über Bord geworfen.

Mich überkommt ein Gefühl des Schauderns und Grauens, wenn ich mir diese Schilderungen in meinem Geiste vorstelle. Als Apothecarius ist es mein innigstes Anliegen und meine auferlegte Pflicht, den Menschen zu einer gesunden Lebensweise zu verhelfen, Krankheiten in ihren Anfängen zu entgegnen und Befallene, in gesundheitlicher Not, zu heilen.

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Quelle: intakt-reisen.de

Ich lag  danieder und bekam von alledem nichts mit. Dustus wurde beauftragt, zum Schiff zurückzukehren, in Begleitung von Tolatis, um zu berichten, dass alle Expeditionsmitglieder an einer unbekannten Ansteckung gestorben sind, vergleichbar mit der Pest. Er habe überlebt, da er das Tal nicht betreten habe.

Die Expeditionsteilnehmer hatten keine Gedanken mehr an Gold und Abenteuer, nur so schnell, wie möglich, zurück.

Ich bin nach und nach genesen und habe mich erst einmal damit abgefunden, noch einige Zeit im Lager zu bleiben. Einerseits aus tiefster Dankbarkeit, dass ich geheilt und gepflegt wurde, andererseits, war ich für den Stamm wie ein Heiliger – ich konnte nicht einfach so gehen. Zudem war ich an allem interessiert, was es hier so gab, das Leben der Indianer, die Natur und mit besonderem Interesse die Wunderpflanze, Abornazine. Ich wollte viel vom Medizinmann lernen, um dann doch eines Tages, in der Heimat zurück, Nützliches damit bezwecken zu können.

Ich fand in Aiana eine hervorragende Lehrmeisterin und bald noch viel mehr. Sie lehrte mich auch in der Liebeskunst der Tolati und ich verbrachte viele schöne Stunden, Tage und Monate, mit ihr zusammen. Von ihrem Vater, dem Medizinmann, hatten wir den Segen, er vermählte uns, auf die für den Stamm übliche, Art und Weise. Es gab ein großes Fest, dass ich wohl mein Leben lang nicht vergessen werde.