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Kapitel - Grenze

Berlin – Hauptstadt der DDR – Freitag, 08. August 1986

Ein nicht ganz gewöhnlicher Tag an der Staatsgrenze der DDR zu Westberlin

Die erfrischende Luft, die die Natur ausatmet, vermischt sich mit den Diesel- und Benzingasen der vorfahrenden LKW und Kräder. Die Kompanie findet sich nach und nach auf dem Stellplatz ein. Die Waffen gerade empfangen, riechen nach frischem Öl und werden locker hängend, eher lässig, über den Schultern getragen.

Die meisten Soldaten begeben sich ruhig und bedächtig, mehr schlendernd als marschierend in Richtung Stellplatz. Einigen ist noch die Müdigkeit vom gestrigen Ausgang anzusehen, der am Vorabend, wegen des Frühdienstes, auf 22.00 Uhr begrenzt war. Andere zeigen sich gegenseitig ihre Bandmaße. Die Zugführer geben die Besetzung der Postenpunkte, Gruppen- und Zugabschnitte bekannt – die Soldaten nehmen nach und nach Aufstellung.

Appellplatz, 05.30 Uhr

„KOMPANIE STILLGESTANDEN! BEFEHL ZUR GRENZSICHERUNG:

Die 2. Grenzkompanie ist eingesetzt im Abschnitt des Grenzregiments 33 – links Potsdamer Platz/Haus der Ministerien – rechts Lübars/Tegeler Fließ, in der Zeit von 6.30 Uhr bis 14.30 Uhr, zur Sicherung der Staatsgrenze der DDR zu Westberlin, mit der Aufgabe, Grenzdurchbrüche zu verhindern, Provokationen nicht zuzulassen sowie Angriffe auf die Integrität der DDR abzuwehren.

Die Anwendung der Schusswaffe erfolgt entsprechend der Schusswaffengebrauchsbestimmung - nur im äußersten Notfall und bei Angriff auf das eigene Leben. Dabei Person zuerst Anrufen, wenn keine Reaktion erfolgt, Warnschuss in die Luft und wenn es dann immer noch keine Reaktion gibt, gezielter Schuss in die Beine.

Die Schusswaffe darf bei versuchten Grenzdurchbrüchen, nur mit Genehmigung des Leiters Grenzdienst des Regiments eingesetzt werden.

Unterleutnant Wiesener -  Kompaniechef Grenzsicherung – VERGATTERUNG!“

„Rührt Euch – zu den Fahrzeugen – Aufsitzen!“


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Foto L. Sommer

Eine Nacht mit Carmen

Schon ziemlich gezeichnet von der langen Nacht, ziehen wir uns Pärchen Weise zurück. In Jedem von uns schlummert wohl noch das Bedürfnis, nach ein wenig Zärtlichkeit. Julia und Kay gehen in das Gästezimmer und Carmen nimmt mich in ihr Zimmer mit.

Carmen lehnt sich mit ihrem Rücken an mich, hebt die Arme rückwärts hoch und streichelt meinen Kopf. Ich lege meine Arme über ihren Oberkörper und drückte sie fest an mich, dabei schiebe ich mein rechtes Bein leicht zwischen ihre  auseinanderstehenden Beine und küsse ihren Hals.

Sie nimmt meine Hand und legt sie zwischen ihre Brüste, die vor Erregung leicht pulsieren. Ich streichele ihre hart gewordenen Brustwarzen vorsichtig und doch intensiv mit einer Hand, mit der anderen öffne ich ihre weiße Leinenbluse, auf deren linken Seite, in Brusthöhe, eine wunderschöne rote Rose aufgestickt ist. Ich nehme die Bluse, küsse die Rose und öffne den BH, der wie in Zeitlupe auf die Erde fällt. Sie dreht sich um und wir küssen uns innig.

„Lass und noch duschen“ sagt sie, löst sich von mir, setzt sich auf einen Sessel und zieht in eleganter, lustvoller, ja provokatorischer Manie ihre Levis aus, die sie mir ein Stück entgegenwirft. Danach beginnt sie, ihren schwarzen Slip herunterzuziehen. “Hilf bitte“, gibt sie mir zu verstehen. Ich nehme sie erneut in den Arm, küsse ihren geöffneten Mund, ziehe mit meinen Lippen ihren Slip herunter, küsse sie auf den Bauch und noch ein wenig tiefer.

Carmen nimmt den Slip, legt ihn mir um den Hals und zieht mich, mit einladenden, erotischen Bewegungen ihres gesamten Körpers, in Richtung Bad und Dusche, wo wir beide unseren Liebesgefühlen in allen möglichen Varianten nachgeben.

„Hier nimm die Lotion und reib mich bitte ein wenig damit ein, flüstert sie mir ins Ohr und biss mich ...

Im Traum sehe ich Carmens weiße Bluse, einem Schleier gleich, über eine Steppenlandschaft mit großen Kakteen fliegen. Die rote Rose löst sich und schwebt alleine weiter. Als würde sie weinen, fallen große Tropfen, Tränen gleich,  auf den Wüstensand und wirbeln diesen auf. Dort, wo die Blätter den Boden berühren, kriechen Skorpione aus dem Sand, bäumen sich auf und verwandeln sich augenblicklich in kleine Rosensträucher. Die weiße Bluse wird vom Wind ....

„Aauuuhh, Aauuuhh…“. Plötzliches, lautes, eher wehleidiges, Heulen eines Kojoten, reißt mich aus dem Schlaf.

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Foto chronik-der-mauer.de

Festnahme - Massenflucht

So ein Mist, das darf doch wohl nicht wahr sein, noch eine Woche, nächsten Freitag, am 15. August, übergebe ich meinen Zug an Ulf.  Der führt ihn dann, bis der neue Zugführer von der OHS kommt, am 01. September.

Das Postenpaar Behmbrücke ist mittlerweile im Bereich und kann zwei weitere Personen, eine männliche und eine weibliche, daran hindern, über den Streckmetallaun zu klettern – sie sind schon fast oben, kommen dann aber den Aufforderungen des Postenführers nach, der zu schießen droht und legen sich auf die Erde. Die weibliche Person springt augenblicklich auf und rennt in den Zug zurück

„Da vorne rechts, Unterleutnant, da rennen noch zwei in Richtung Brücke“, ruft Baumann mir zu. Sie entfalten ein großes Transparent: „Die Mauer muss weg!“. Jetzt sehe ich auf der Westseite der Bornholmer Brücke einige Fotografen, in deren Richtung das Plakat gehalten wird.

Plötzlich ein lauter Schrei. Er kommt vom Posten der Hinterlandstreife, die mittlerweile auch in die Handlungen eingreift und ....

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Foto bergfunk.de

Partei- und Staatschef Erich Honecker, Wirtschaftschef Günter Mittag und Stasi-Chef Erich Mielke

 

Wenn Kommunisten (???) Fürsten sein wollen....

Das Krebsgeschwür

Seine Familie führte schon über mehrere Generationen eine kleine Druckerei, in Halle an der Saale. Er war sogar Mitglied im Thälmannschen Zentralkomitee der KPD. Und genau wegen seiner Fähigkeiten entging er der Ermordung und es öffneten sich für ihn die Tore des Konzentrationslagers Sachsenhausen (am 23.04.1945, Tag der Befreiung des KZ durch die Rote Armee - sein Mitstreiter und Vorsitzender der KPD, Ernst Thälmann, wurde am18. August 1944, im KZ Buchenwald, bei Weimar, ermordet.)

Mein Großvater wurde im Lager zwangsverpflichtet, für die Nazis am Geldfälschungsprogramm mitzuarbeiten. Du weißt, was ich meine?

Na jedenfalls hat er die Nazis überlebt und ist nach dem Krieg ohne zu zögern für den Aufbau einer neuen kommunistischen Partei eingetreten. Er kam dann aber, mehr und mehr, mit den von Moskau geschickten Funktionären in Konflikt, die ihn loswerden wollten. Auch weil er strikt gegen ein Zusammengehen mit den Sozialdemokraten war, denen er eine Mitschuld am Aufstieg Hitlers gab, kam es ständig zu Diskrepanzen.

Das nahm dann ein schlimmes Ende. Er wurde im Dezember 1949 durch ein DDR-Gericht für schuldig befunden, mit den Nazis zusammengearbeitet zu haben und zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung war ein Tag vor Weihnachten!

Meine Mutter meint, seit dieser Zeit, also seit der Gründung der DDR hat sich ein Krebsgeschwür ausgebreitet und nach und nach alle Körperteile unheilbar befallen. Die Symptome waren schon zeitig erkennbar, aber weder die richtigen Ärzte, noch die entsprechenden Medikamente wurden und werden eingesetzt, um eine wirksame Therapie zu erzielen. Sie denkt, das Krebsgeschwür sei nicht mehr zu stoppen“.

Ich schweige.

„Wir sind da Carmen, komm lass uns reingehen.“ Ich umarme sie kurz und drücke sie an mich. Sie weint.

Foto stadtmuseum.de